Kunstleder ist ein beliebtes Material für Taschen, Etuis, Wohnaccessoires und viele DIY-Nähprojekte. Es sieht hochwertig aus, ist pflegeleicht und in vielen Farben und Strukturen erhältlich. Allerdings hat es einen kleinen Nachteil: Nach dem Lagern, Falten oder Versenden entstehen schnell sichtbare Knicke und Falten. Genau dann stellt sich die Frage, ob man Kunstleder bügeln kann – und wenn ja, wie.
Grundsätzlich ist Kunstleder hitzeempfindlich, da es meist aus einer textilen Trägerschicht mit einer Kunststoffbeschichtung besteht, häufig aus PU oder PVC. Diese Oberfläche reagiert deutlich sensibler auf Wärme als reine Baumwollstoffe. Deshalb kann falsches Bügeln schnell zu glänzenden Stellen, Verformungen oder im schlimmsten Fall sogar zu Schäden an der Beschichtung führen.
Mit der richtigen Methode lassen sich viele Falten und Knicke jedoch reduzieren oder vollständig entfernen. Den Beitrag kannst du dir auch als Video ansehen.
So bügelst du Kunstleder
Kunstleder wird niemals direkt von der Vorderseite gebügelt. Die beschichtete Oberfläche darf nicht in direkten Kontakt mit dem Bügeleisen kommen, da die Hitze die Struktur dauerhaft zerstören kann. Schon bei niedrigen Temperaturen kann es sonst passieren, dass die Oberfläche klebrig wird oder ihren typischen Look verliert.
Die sicherste Methode ist daher das Bügeln von der Rückseite. Dabei wird das Kunstleder mit der Rückseite nach oben auf das Bügelbrett gelegt und nur sehr vorsichtig behandelt. Das Bügeleisen sollte auf eine niedrige Temperatur eingestellt sein und ohne Dampf. Wichtig ist außerdem, das Bügeleisen nie lange auf einer Stelle zu lassen, sondern es gleichmäßig und ohne Druck über das Material zu bewegen. Oft reichen schon kurze, vorsichtige Bewegungen, um leichte Knicke sichtbar zu glätten.
Noch sicherer wird das Ganze, wenn zusätzlich ein Baumwolltuch zwischen Bügeleisen und Material gelegt wird. Auch hier wird ausschließlich von der Rückseite gearbeitet. Das Baumwolltuch dient dabei als Schutzschicht, die die Hitze etwas abpuffert und gleichmäßiger verteilt. Gerade bei empfindlichem oder dünnem Kunstleder ist diese Methode besonders empfehlenswert, da sie das Risiko von Hitzeschäden weiter reduziert. Auch hier gilt: lieber in kurzen Intervallen arbeiten und das Ergebnis zwischendurch kontrollieren.
Wichtig ist zudem, die Temperatur grundsätzlich sehr niedrig zu halten. Kunstleder reagiert unterschiedlich je nach Qualität und Beschichtung, deshalb gibt es keine universelle Hitzestufe, die immer funktioniert. Wenn du unsicher bist, solltest du die Einstellung unbedingt zuerst an einem kleinen Reststück testen, bevor du das eigentliche Projekt bearbeitest.